Toben, Chillen und Beziehungsarbeit: Simon Zimpel und Michaela Vierbücher sind das neue Team im Jugendzentrum

Es ist Dienstag, 13.00 Uhr: Noch ist es ruhig im altehrwürdigen Gebäude am Schulplatz 8. Nur ein leises Klavierspiel weht aus einem Fenster der benachbarten Musikschule herüber. Doch im Büroraum des Jugendzentrums wird bereits gearbeitet. Wir sind mit Simon Zimpel und Michaela Vierbücher verabredet, dem (fast) neuen Team im Jugendzentrum. Nachdem Silke Stöhr in den Ruhestand gegangen ist, sind die beiden nun das „Duo“ hinter der Theke. Im Bewegungs- und Bastelraum oder auf dem Sportplatz vorm Jugendzentrum werden sie von Marvin Romanowski unterstützt, der für das Team auf Minijob-Basis ein paar Stunden pro Woche vor Ort ist. Simon Zimpel, 33 Jahre alt, ist bereits seit Herbst 2020 im Jugendzentrum und hat nun dessen Leitung übernommen. Ihm zur Seite steht Michaela Vierbücher, 44 Jahre alt, die nach mehreren Jahren in der Aufsuchenden Jugendarbeit sowie im Jugendzentrum in Drolshagen seit Anfang des Jahres für die Gäste zwischen 6 und 27 Jahren da ist. An vier Tagen in der Woche ist das Jugendzentrum geöffnet.

Der Wert von Raum und Verlässlichkeit

Zwischen 250 und 300 Besuche zählt das Jugendzentrum pro Woche – viele Kinder und Jugendliche kommen mehrfach, manche nehmen einzelne Angebote wahr oder gehen „einfach mal mit“. „Dabei ist und bleibt der offene Treff das Herzstück in unserem Angebot“, erklärt Simon Zimpel, während er uns hinter der Theke einen Kaffee einschenkt. Dort kann man für kleines Geld Snacks und Getränke des Fördervereins kaufen; eine offene Atmosphäre macht sich zwischen Tresen, Billardtisch und Sitzgelegenheiten breit. Überhaupt verfügt das Jugendzentrum über sehr großzügige Räumlichkeiten, bringt Michaela Vierbücher ein. „Ich bin selbst ein Fan von Kletter- und Boulderhallen und dass die Kids so viel Platz haben, gerade auch um sich zu bewegen, ist ein echtes Geschenk.“

Schnell dreht sich unser Gespräch also um das Thema Raum – denn genau den bekommen die Kinder und Jugendlichen hier geboten. „Im öffentlichen Bereich fällt immer mehr an Raum weg“, erklären die beiden einhellig, „und damit geht auch der Verlust von Sicherheit einher: Wie bewege ich mich in der Gesellschaft, wie begegne ich anderen Menschen? Dafür wollen wir einen Rahmen bieten. Was wir hier vor allem machen, ist Beziehungsarbeit.“ 

Kinder gingen in der Regel viel offener auf einen zu als Jugendliche, weiß Michaela. Bei Jugendlichen kann es dauern, eine Beziehung aufzubauen: „Es kann wirklich kräftezehrend sein, ist aber auch immer wieder sehr berührend.“ Auch nach vier intensiven Monaten im Jugendzentrum ist sie für viele noch „die Neue“, wird aber immer selbstverständlicher angenommen. Als sie vor wenigen Tagen von den Kindern im Kindertreff selbstgemalte Bilder bekam, war das ein echter Gänsehautmoment: „Das zeigt, dass das, was wir machen, ankommt. Und dafür sind wir hier.“

Brückenbauer mit klaren Kanten
Überhaupt, die beiden sind vor allem Ansprechpartner, auch bei Sorgen und Nöten. Simon Zimpel: „Wir versuchen immer, Brücken zu bauen, auch dann, wenn es schwierig wird.“ Die Arbeit im Jugendzentrum ist jedoch kein reines Wunschkonzert. „Es wird nicht leichter“, geben beide offen zu. Ihre Aufgabe ist es auch dann, da zu sein, Konflikte zu schlichten, Orientierung zu bieten und Grenzen aufzuzeigen. Neben Schule und Elternhaus sind sie oft die Instanz, die Verbindlichkeit einfordert, und das Regelwerk dafür ist klar. Wer sich nicht daran hält, füttert die Schimpfwortkasse oder muss im Ernstfall mit einer temporären Auszeit rechnen. „Es ist gleichermaßen wichtig, offen zu sein und zuzuhören wie auch den Kindern und Jugendlichen Verbindlichkeit vorzuleben“, betont Simon.

Ansprechpartner in allen Lebenslagen

Die Regeln im Jugendzentrum sind also ebenso verbindlich wie die Angebote und die Zusage des Teams, dass sie für die Anliegen da sind. „Wenn es Probleme gibt, suchen wir gemeinsam Hilfe. Aber wir unterstützen auch bei Bewerbungen und in vielen anderen Lebenssituationen, die die Jugendlichen beschäftigen.“

Und was wünschen sich Michaela und Simon für die Zukunft? „Mehr Verbindlichkeit wäre schön. Wir planen viele tolle gemeinsame Aktivitäten, bekommen aber kaum noch Rückmeldung. Das mag ein Phänomen unserer Zeit sein, macht uns die Planungen aber nicht leichter. Umso wichtiger ist es wie bei vielen anderen Dingen, dass wir hier im Jugendzentrum auch an dieser Stelle Akzente setzen, denn Verbindlichkeit ist ja auch ein gesellschaftliches Thema.“ Außerdem haben sich die beiden vorgenommen, Stück für Stück auch optisch neue Akzent zu setzen – und auch an dieser Stelle die Jugendlichen mitzunehmen. „Vielleicht fangen wir einfach mal an, einen Raum zu streichen, und schauen, wer mitzieht. Das kann eine tolle Aktion werden!“

Unterstützung ist sehr willkommen

Ideen und Rückmeldungen hat das Team der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und dessen ehrenamtlichen Unterstützenden viele. Wer das Team vor Ort also unterstützen möchte – sei es mit ein paar Stunden in der Woche in der Betreuung oder mit einem eigenen Angebot, ist mehr als willkommen. Den Kontakt und weitere Infos zum Jugendzentrum finden Sie hier

Die Vorstellung unseres Jugendzentrums-Teams markiert den Beginn einer kleinen Serie – denn die Stadt Meinerzhagen ist auch in anderen Bereichen der Jugendarbeit unterwegs. Was die mobile aufsuchende Jugendarbeit vor Ort leistet und wie ein Tag im Jugendtreff in Valbert aussieht, erfahren Sie demnächst an dieser Stelle. 

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