Das Projekt Stadthalle befindet sich in einer wichtigen Phase – denn wie viele aus dem eigenen, persönlichen Umfeld kennen, ist auch beim Hausbau oder -umbau eine gute Vorbereitung ein entscheidender Faktor, damit die eigentlichen Arbeiten reibungslos vonstattengehen. Im übertragenen Sinn gilt das besonders für ein Projekt dieser Größenordnung wie die Sanierung der Stadthalle: Daran sind nicht nur verschiedenste Gewerke beteiligt, sondern mit dem Otto-Fuchs-Saal soll auch ein Herzstück der Halle möglichst unangetastet bleiben. Zwei Faktoren, die den Umbau spannend machen – das bestätigen auch Justin Busch, Geschäftsführer des Planungs- und Ingenieurbüros Ecoplans, und Gordon Brinkmann, Ingenieurbüro Laudi, die das Projekt in den kommenden Jahren begleiten und zurzeit in Sachen Planungen involviert sind. Sie sind Teil der der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA).
Bitte holen Sie uns am Anfang ab: Wofür steht die Technische Gebäudeausrüstung und was sind Ihre Aufgaben?
Unter dem Begriff der Technischen Gebäudeausrüstung fallen alle technischen Systeme, die ein Gebäude im Betrieb funktionsfähig, sicher und komfortabel machen. In der Stadthalle Meinerzhagen betrifft das insbesondere die Heizungs‑, Lüftungs‑ und Sanitärtechnik, die Elektro- und Beleuchtungsanlagen, die Sicherheitsstromversorgung, die Brandmelde‑ und Alarmierungsanlagen sowie die informationstechnischen Systeme.
In der aktuellen Phase befinden wir uns in der Ausführungsplanung. Deren Ziel ist es, die bereits genehmigte Entwurfsplanung so weit zu konkretisieren, dass sie baulich eindeutig umsetzbar ist. Jede Leitung, jedes Gerät und jede Schnittstelle werden exakt festgelegt, berechnet und zeichnerisch dargestellt. Diese Planung bildet später die Grundlage für die Ausschreibung der Gewerke und die Ausführung auf der Baustelle.
Damit ist die Ausführungsplanung ein entscheidender Bestandteil der Vorbereitungen – welche Bestandteile umfasst sie im Detail?
Unsere Arbeit beginnt mit einer vertieften Analyse des Bestands, denn die Stadthalle stammt aus den 1970er Jahren und weist unterschiedliche technische und bauliche Standards auf. Darauf aufbauend prüfen und überarbeiten wir die vorhandenen Planungen und passen sie an aktuelle Anforderungen an. Das umfasst beispielsweise die Dimensionierung der Heizungs- und Lüftungsanlagen unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Nutzungen wie Veranstaltungssaal, Foyers, Kleinkunstbühne, „Haus der Vereine“ und Verwaltungsbereiche. Außerdem geht es um die Planung einer sicheren und normgerechten Elektroinstallation, inklusive Sicherheitsbeleuchtung, Sicherheitsstromversorgung und Blitzschutz, die Einbindung der technischen Anlagen in das Brandschutzkonzept und die Abstimmung der Anlagen auf die energetische Sanierung. Dazu gehören zum Beispiel die neuen Fassaden, die Dachsanierung und Photovoltaik. Am Ende steht eine Planung, die sowohl technisch schlüssig als auch wirtschaftlich und betriebssicher ist.
Das bedeutet, dass Sie eng mit weiteren Gewerken zusammenarbeiten und deren Ausführungen vorbereiten?
Ja, die enge Abstimmung ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Gerade bei einem Bestandsgebäude wie der Stadthalle greifen TGA, Tragwerksplanung, Brandschutz und Architektur sehr stark ineinander. Wir müssen zum Beispiel abstimmen, ob bestehende Decken zusätzliche Lasten aus Technik, Lüftungsgeräten oder Photovoltaik aufnehmen können, wo Durchbrüche für Leitungen zulässig sind oder ob Verstärkungen oder neue Bauteile erforderlich werden.
Parallel stimmen wir uns eng mit der Objektplanung und dem Brandschutzplaner ab. Das Brandschutzkonzept stellt dabei einen besonders wichtigen Rahmen dar: Viele technische Anlagen – etwa Lüftung, Rauchableitung, Brandmelde- und
Alarmierungsanlagen – sind direkt brandschutzrechtlich relevant und müssen exakt darauf abgestimmt sein. Unser gemeinsames Ziel dabei ist es, technische, konstruktive und sicherheitsrelevante Anforderungen so zu verzahnen, dass am Ende ein konsistentes Gesamtbauwerk entsteht und spätere Konflikte auf der Baustelle vermieden werden.
Wann wird diese Phase der Vorarbeiten aus Ihrer Sicht abgeschlossen sein und wie geht es dann weiter?
Die Ergebnisse der Ausführungsplanung entstehen schrittweise und werden fortlaufend mit der Stadt Meinerzhagen und den weiteren Planungsbeteiligten abgestimmt. Sobald die Ausführungsplanung abgeschlossen ist, kann sie als Grundlage für die Vorbereitung der Vergabe dienen, also für Leistungsverzeichnisse und Ausschreibungen der einzelnen Gewerke.
Für uns endet die Aufgabe damit nicht. In den folgenden Phasen begleiten wir das
Projekt weiter – etwa bei technischen Rückfragen während der Ausschreibung, bei der Prüfung von Unternehmerangeboten und später auch im Rahmen der Bauüberwachung. Gerade im Bestand ist es wichtig, auf unvorhergesehene Situationen reagieren zu können, wenn Bauteile freigelegt werden.
Was macht dieses Projekt so besonders?
Eine wesentliche Besonderheit ist die Kombination aus Bestandsgebäude und Sonderbau. Die Stadthalle ist eine mehrgeschossige Versammlungsstätte mit sehr hohen Anforderungen an die Themen Sicherheit, Tragfähigkeit und Brandschutz. Gleichzeitig bleibt ein großer Teil der bestehenden Baukonstruktion erhalten, welche trotz der geplanten Unberührtheit nach aktuellem Stand der Technik einschließlich Genehmigungsanforderungen mit Technik und vor allem Sicherheitstechnik ausgestattet werden müssen.
Hinzu kommen sehr unterschiedliche Nutzungen im Gebäude – vom großen
Veranstaltungssaal mit bis zu rund 900 Personen über kleinere Versammlungsräume bis hin zu Vereins- und Verwaltungsbereichen. Dadurch ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an Lüftung, Energieversorgung, Fluchtwege, Alarmierung und Sicherheitsstromversorgung.
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