Meinerzhagen und ich

Wanderwege und Ausflugsziele, Orte und Aussichten, Geschichte und Geschichten…er kennt unsere Gegend aus allen Blickwinkeln, denn er hat sich ihre schönen Seiten zum Beruf gemacht. Kein Wunder, dass Ralf Thebrath, Freizeit- und Naherholungsbeauftragter der Region Oben an der Volme, die erste Adresse für einen Überblick zum Stand der Dinge in Sachen regionaler Freizeit und Tourismus ist. Denn hinter der sperrigen Jobbezeichnung verbirgt sich ein extrem spannendes Verantwortungs- und Aufgabengebiet. Meinerzhagen und ich – die Möglichmacher.

Schätze, Schauplätze und Natur: Ralf Thebrath setzt die Schönheit und Vielfalt unserer Region in Szene

Eigentlich trifft der Titel unserer Serie nur zu einem Teil auf Ralf Thebrath zu. Sein Schreibtisch steht zwar tatsächlich hier in Meinerzhagen, aber sein Augenmerk gilt der gesamten Region Oben an der Volme. Und zu dieser gehören neben Meinerzhagen auch Kierspe, Halver und Schalksmühle sowie inzwischen Herscheid. Hatten sich die vier erstgenannten Kommunen im Rahmen des Förderprogramms Regionale 2013 zusammengeschlossen, um ihre Stärken vereint besser ausspielen zu können, so ist die Gemeinde an der Nordhelle im Rahmen der Bewerbung zur Regionale 2025 dazu gestoßen: Ganz deutlich waren bis dahin schon die Pluspunkte des Schulterschlusses zu Tage getreten.

Vor allem stand eine gemeinsame Vision hinter der Aufgabenbeschreibung für Ralf Thebraths Job, als dieser vor dreieinhalb Jahren im Rahmen des LEADER-Förderprogamms eingerichtet wurde: „Meine Arbeit soll eine Klammer für die Region bilden“, erklärt der 33jährige im Telefonat. „Ich identifiziere, zusammen mit vielen Beteiligten, die Themen und Möglichkeiten, verknüpfe sie unter einem gemeinsamen, starken Dach und inszeniere sie über unterschiedliche Kanäle angefangen von der jeweiligen „Ortsebene“ bis hin zur starken Regionsmarke, dem Sauerland-Tourismus. Ursprünglich sollten damit die Freizeit- und Naherholungsqualität für die Einheimischen herausgearbeitet und eine gemeinsame Identität, ein Wir-Gefühl, gestärkt werden. Aber diese Initiativen haben natürlich auch eine enorme Strahlkraft in Richtung Tourismus, so dass wir inzwischen auch dieses Thema übergeordnet bespielen.“

Auch für die Region gilt: Das Ganze mehr als die Summe seiner Teile

Ein unverwechselbares Profil zu schaffen, bedeutete zunächst vor allem Grundlagenarbeit, sprich: Informationen zu sammeln, Menschen zusammenzubringen, Ideen zu strukturieren und dann mit Maßnahmen in ein großes Ganzes zu gießen. Daraus entstanden ist inzwischen eine eigene Marke, unverwechselbar, klar in der Ansprache und charakteristisch für die gesamte Region. „Wir punkten hier mit Vielfalt“; erklärt Ralf Thebrath, „mit Talsperren, Wäldern, dem Naturpark und tollen Ausflugszielen. Der passionierte Wanderer kommt hier genauso auf seine Kosten wie die Familie, die für ein paar Stunden oder Tage raus aus dem Alltag will. Die gute Anbindung per Bahn und Auto und die verschiedenen Übernachtungsmöglichkeiten tun ihr Übriges dazu.

Naturnaher Tourismus für die ganze Familie

Um diese übergeordnete Botschaft publik zu machen, ist neben der Koordination in Zusammenarbeit mit den Kommunen auch der Auftritt im Netz ganz wesentlich. Und so arbeitete sich Ralf Thebrath durch die Datenlage, entwickelte eine digitale Struktur und sorgt für die Aktualität der Daten, die in die eigenen und in andere Tourismusportale fließen. Übernachtungsangebote der gesamten Region sind nun einheitlich im Netz abgebildet und bieten Vermietern eine Plattform, ihr Angebot zu präsentieren – ganz ohne Kosten oder großen Aufwand. Das erhöhte die Gästequote beträchtlich: Allein im Jahr 2019 wurde die Übernachtungsrate um zehn Prozent gesteigert, der schwerer messbare Tagestourismus kommt obendrauf. Ralf Thebrath: „Das Netz übernimmt die Mund-zu-Mund-Propaganda von früher. Deshalb sind beispielsweise die Kennzeichnung und Darstellung von Sehenswürdigkeiten bei Google oder subjektive Bewertungen genauso wichtig wie eine professionelle digitale Abbildung der Wanderwege für die WanderApp – in unserem Fall für OutdoorActive.“

VolmeSchätze und Freizeitkarte

Neben der Digitalisierung waren es vor allem zwei Leitprojekte, mit denen sich Ralf Thebrath ausführlich beschäftigte. Eins davon sind die „VolmeSchätze“, neun Themenwege mit verschiedenen Schwerpunkten. Sie alle zeigen wunderschöne Facetten der Region, sind per WanderApp leicht zu erschließen und bieten Infos mit Tafeln und QR-Codes am Wegesrand. Dabei gilt: Wer mag, kann die digitalen Zusatzangebote nutzen. Wer aber „einfach nur“ laufen möchte, kann sie auch links liegen lassen. Mit der Vernetzung der Freizeitangebote wurde das zweite Leitprojekt umgesetzt, denn auch in dieser Hinsicht hat die Region viel zu bieten. Vom Alpaka-Hof übers Freibad, vom Kletterpark bis hin zur alten Brennerei: Die Ideen für einen tollen Ausflug finden sich seit dem vergangenen Jahr auf einer interaktiven Freizeitkarte und in einer Broschüre mit Gutscheinen.

Vom Sagenbuch zur Veranstaltungsplanung: Ideen gehen nicht aus

Welche Eisen sind ansonsten gerade im Feuer? Nachdem die Anfänge gemacht, die Grundlagen geschaffen sind, schaut Ralf Thebrath angesichts des riesigen Potenzials der ganzen Region optimistisch auf die Weiterentwicklung in den kommenden Jahren. Um die Marke „Oben an der Volme“ weithin bekannt zu machen, sind Besuche bei Messen und Städtetagen geplant. Ein Sagenbuch mit Geschichten aus der Region ist Ende letzten Jahres erschienen; dazugehörige Sagenorte wie die berühmte Hexeneiche in Meinerzhagen werden gerade markiert, so dass man beim Spaziergang die Orte des Geschehens besuchen und dort die Legende aus dem Buch noch einmal als Hörspiel miterleben kann. Auch das Thema Radfahren, das neben dem Wandern eine der wichtigsten Freizeitsportarten ist, hat Ralf Thebrath auf dem Zettel –  zum Beispiel könnten, so spinnt er einen neuen roten Faden, nach dem Vorbild der Wanderwege digitalisierte Mountain Bike-Touren für Groß und Klein genau das richtige für die Region sein.

So nimmt unser Gespräch seine ganz eigene Wendung – denn wer mit Ralf Thebrath spricht, merkt selbst auf Abstand durch den Hörer echte Begeisterung. Für die Vielfalt dieser Gegend, für die Region mit ihren kleinen und großen Naturschauplätzen, ihren Städten und Dörfern und ihren Menschen. Diese Mischung, findet der Tourismus-Experte, ist es, die das Besondere hier aus- und seine Arbeit spannend macht. Und so legen wir am Ende dieses Austauschs zwar leider nur das Smartphone zur Seite, aber der Plan steht: Beim nächsten Ausflug, beim kommenden Spaziergang steht ein Freizeittipp in unserer Region auf dem Programm. Denn so viel Schönes, das muss man erst einmal auf einem Fleck finden. 

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