Erkenntnisse und gemeinsame Grundlagen: Energieexperte Frederic Schlotfeldt im Interview zum Zukunftsthema kommunale Wärmeplanung

Die kommunale Wärmeplanung soll Städte und Gemeinden dabei unterstützen, Wege zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung zu finden. Auch die Stadt Meinerzhagen hat den Prozess gestartet: Erste Infos hierzu sind auf der Homepage der Stadt einsehbar; im gestrigen Ausschuss für Klima, Planung, Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt (KPSMU) war Energieexperte Frederic Schlotfeldt vom (Beratungs-)Unternehmen HIC Consulting zu Gast, das die Stadt Meinerzhagen in der Strategieentwicklung begleitet. Im Interview erklärt er die Kernpunkte des Projekts: 

Herr Schlotfeldt, worum geht’s bei der kommunalen Wärmeplanung? 

Die kommunale Wärmeplanung ist ein wichtiger Baustein, um Treibhausgase zu reduzieren und die Nutzung erneuerbarer Energien voranzutreiben. Dafür brauchen Privatleute, Unternehmen, Betriebe und Kommunen Planungssicherheit. Gemeinsam entwickeln wir konkrete Handlungsmöglichkeiten, auf deren Umsetzung man sich dann verständigen kann: Am Ende unserer Arbeit wird eine Strategie zur Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung stehen.

Was bedeutet das für die Menschen in Meinerzhagen? 

Für die Verbraucher geht damit keine weitere Verpflichtung einher: Niemand muss seine Heizung austauschen, weil ein Plan entsteht. Vielmehr wollen wir Orientierung schaffen und aufzeigen, welche Möglichkeiten langfristig sinnvoll sind. Das ist eine verlässliche Grundlage für die weiteren Entscheidungen, und zwar für alle, die das Thema betrifft. 

Wie sieht die Projektplanung für Meinerzhagen konkret aus?

Zunächst wird die aktuelle Situation untersucht, etwa der Wärmebedarf in verschiedenen Ortsteilen, vorhandene Netze oder der Einsatz bestimmter Energiequellen. Darauf aufbauend folgt die Potenzialanalyse: Wie kann die Wärmeversorgung der Zukunft aussehen, welche Ressourcen können wir nutzen, welche Infrastruktur müssen wir berücksichtigen? Fragen wie diese werden wir beantworten und Wege aufzeigen, wie sich Meinerzhagen klimaneutral aufstellen kann. 

Dabei sollen die Meinerzhagenerinnen und Meinerzhagener auch ein Wort mitreden, richtig?

Auf jeden Fall. Die kommunale Wärmeplanung soll von Anfang an gemeinsam mit den Menschen entstehen, denn die müssen am Ende auch die Ergebnisse nachvollziehen können und umsetzen. Deshalb werden wir mehrere Beteiligungsangebote machen und immer wieder über den Stand der Dinge informieren. Mit verschiedenen Gruppen wird es darüber hinaus tiefergehende Interviews geben, so dass wir vom Handwerker bis zum Hausbesitzer, vom Mieter bis zum Unternehmer alle Interessierten mitnehmen.

Konnten Sie schon bestimmte Besonderheiten für Meinerzhagen identifizieren?

Die Stadt hat in der Tat bestimmte Merkmale, die die Planung beeinflussen. Einerseits ist sie Wirtschaftsstandort mit größeren Industriebetrieben und hohem Wärmebedarf. Andererseits ist sie eine klassische „Flächenkommune“ mit vielen Ortschaften, was die Planung komplexer, aber auch vielfältiger macht. 

Sie haben bereits einige Projekte dieser Art begleitet. Was ist für Sie dabei wesentlich?

Ich denke, ein grundlegender Aspekt ist, den Anstoß für gemeinsame Überlegungen zu geben. Das Thema Wärmeplanung ist zwar in aller Munde, aber eine übergreifende Diskussion findet selten statt. Mit unserer Arbeit bringen wir von der Bürgerschaft bis zur Wirtschaft alle an einen Tisch und entwickeln ein gemeinsames Grundverständnis. Kommunikation und Austausch sind also das eine, spezifische Erkenntnisse das andere, was wir gemeinsam erreichen können.

( )