Belastbare Planungsgrundlage: technisch schlüssig, wirtschaftlich und mit Blick auf Nachhaltigkeit

Gewerke in der Stadthalle in der Feinplanung – wir stellen die Tragwerksplanung vor

Die Vorbereitungen für den Umbau der Stadthalle laufen auf Hochtouren. Das bedeutet aktuell vor allem, dass die Räume leergezogen werden und die Feinplanungen erfolgen. Bereits seit mehreren Wochen sind daher Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinatoren, die technische Gebäudeausrüstung sowie die Tragwerksplaner am Werk. Ihre Aufgabe: Sie brechen die bestehenden Pläne bis ins Detail herunter, versehen sie mit Zahlenwerk und Messdaten und sorgen so dafür, dass die Arbeitsgrundlagen für die weiteren Gewerke geschaffen werden. 

Was das konkret bedeutet, stellen wir Ihnen an einem konkreten Beispiel vor: Im Interview erklären uns Elena Occiuzzo und Thomas Lohmann der am „Projekt Stadthalle“ beteiligten SOCOTEC Ingenieure AG, was in Sachen Statik in den letzten Wochen geschehen ist.

Frau Occiuzzo, Herr Lohmann, erklären Sie uns doch bitte zunächst, was Tragwerksplanung eigentlich genau bedeutet und was in dieser Planungsphase anvisiert ist.

Tragwerksplanung heißt, die Statik eines Gebäudes so zu konzipieren und zu bemessen, dass alle auftretenden Lasten sicher aufgenommen und dauerhaft in den Baugrund abgeleitet werden können. 

In der aktuellen Planungsphase geht es darum, die statische Konzeption zu konkretisieren und zu bemessen. Auf Basis des Entwurfs werden die Lastannahmen definiert, maßgebende Bauteile festgelegt und die erforderlichen Nachweise geführt. Ziel ist eine belastbare Grundlage für die weitere Planung: technisch schlüssig, wirtschaftlich und mit Blick auf die Anforderungen aus nachhaltiger Nutzung. Dabei gilt es insbesondere, den Bestand zu berücksichtigen und zielgerichtete Maßnahmen für den Umbau und die Sanierung zu erarbeiten.

Sie sind in diesem Zusammenhang für die Planung der Statik in der Stadthalle zuständig. Welche Schritte umfasst Ihre Arbeit genau? 

Wir sind mit der Sichtung und Auswertung der Bestandsunterlagen gestartet – also mit den vorhandenen Plänen, den früheren statischen Berechnungen und haben diese, wo nötig, um eigene Bestandsaufnahmen bzw. Abgleichen vor Ort ergänzt. 

Darauf aufbauend prüfen wir nun, welche Auswirkungen der Umbau auf das Tragwerk hat: Entstehen Zusatz- oder Mehrlasten? Fallen tragende Bauteile weg oder werden sie geschwächt, z. B. durch neue Öffnungen oder Umnutzungen? Wenn ja, entwickeln wir geeignete Ersatz- bzw. Verstärkungsmaßnahmen.
Parallel dazu dimensionieren wir für neue Bauteile bzw. Anbauten alle maßgebenden tragenden Elemente – beispielsweise Decken, Unterzüge, Stützen, Wände und Fundamente – und führen die erforderlichen Standsicherheits- und Gebrauchstauglichkeitsnachweise. Am Ende steht dann eine nachvollziehbare statische Berechnung als Grundlage für die Ausführungsplanung.

Müssen Sie sich in diesem Zusammenhang auch mit weiteren Gewerken und Planern, abstimmen, damit sich am Ende Ihrer Arbeit ein Gesamtbild abzeichnet? 

Ja, die Abstimmung ist ein zentraler Teil unserer Arbeit, weil Statik immer eng mit den übrigen Planungen verzahnt ist. In erster Linie stimmen wir uns mit dem Architekten als Objektplaner ab, damit die geplanten Umbaumaßnahmen und Eingriffe in den Bestand statisch sinnvoll und wirtschaftlich umsetzbar sind.
Ebenso wichtig ist die Abstimmung mit den Fachplanern der technischen Gebäudeausrüstung: Leitungsführungen, Schächte, Durchbrüche, Gerätegewichte und Aufhängungen beeinflussen das Tragwerk – und umgekehrt müssen Leitungs-Trassen an tragende Bauteile angepasst werden. Außerdem stimmen wir uns mit dem Brandschutz ab, damit die Anforderungen aus dem Brandschutzkonzept und dem konstruktiven Brandschutz (z. B. Feuerwiderstände, Bekleidungen) im Tragwerk korrekt berücksichtigt werden. Insgesamt erarbeiten wir eine Fachplanung, die im Gesamtkonzept zusammen mit allen anderen Fachplanungen bestens funktioniert.

Bis wann ist mit Ergebnissen Ihrer Arbeit zu rechnen und wie geht es dann weiter? 

Mit der Fertigstellung der wesentlichen statischen Berechnungen rechnen wir im Sommer, etwa bis Ende Juni. Die fertiggestellten Unterlagen gehen anschließend zur unabhängigen Prüfung an einen Prüfingenieur, der die Nachweise im Vier-Augen-Prinzip kontrolliert. Das ist der vorgeschriebene Prozess bei solchen Bauvorhaben. 
Parallel bzw. im Anschluss starten wir mit der Ausführungsplanung, also der Erstellung der Schal- und Bewehrungspläne bzw. der konstruktiven Detailpläne. Nach diesen Plänen wird später auf der Baustelle gebaut. Die Planfertigstellung für die Ausführung ist für den Herbst vorgesehen.

Gibt es Besonderheiten, die es gerade bei diesem Gebäude zu beachten gilt?

Ja – eine wesentliche Besonderheit ist, dass der vorhandene Saal möglichst nicht „berührt“ werden soll. Das heißt: Eingriffe in diesem Bereich sind zu vermeiden bzw. so zu planen, dass der Saal nicht beeinträchtigt wird – auch im Hinblick auf Staub, Schmutz und baubedingte Belastungen. Diese Randbedingung beeinflusst sowohl die Wahl der Bauabläufe als auch mögliche Verstärkungs- oder Umbaumaßnahmen im Bestand. Ziel ist es, das vorhandene Tragwerk mit optimalen Mitteln umzubauen, um eine dauerhafte, wirtschaftliche und nachhaltige Nutzung des Gebäudes zu ermöglichen.

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