Meinerzhagen persönlich

Meinerzhagen und ich

Freitagmorgen in Meinerzhagen: Der Himmel färbt sich rosa, die Sterne sind noch zu sehen. Das Thermometer bewegt sich um die null Grad, aber es wird ein sonniger Tag. Auf dem Otto-Fuchs-Platz herrscht geschäftiges Treiben. Kisten werden von Transportern geladen, Stände aufgebaut und Waren auslegt. Es ist Zeit für den Wochenmarkt in Meinerzhagen – und mittendrin: Marktleiter Harald Lüsebrink. Er koordiniert das bunte Freitags-Treiben und sorgt für Qualität der Produkte und Freude am Einkauf. Meinerzhagen und ich: Die Möglichmacher.

Er führt die Tradition in Meinerzhagen weiter: Harald Lüsebrink ist Leiter des Wochenmarkts

Es ist kaum 7.00 Uhr durch, und schon stehen sie bereit: die Markthändler aus der Region, die mit ihren Waren die Kühlschränke und Vorratskammern ihrer Meinerzhagener Kunden auffüllen. Vom Backwarenstand duftet es verführerisch nach frischem Brot und süßem Gebäck, wenige Meter weiter locken Händler mit Obst, Gemüse, Kartoffeln, Eiern und Pilzen. Geschäftig geht es zu und gleichzeitig routiniert. „Das ist ja auch kein Wunder“, meint Harald Lüsebrink. „Die meisten Händler sind seit mindestens fünf Uhr auf den Beinen: Zuerst geht es zum Großmarkt. Dort werden die Waren gesichtet und aufgeladen. Um acht beginnt dann der Verkauf.“

Ganz klar, bei diesem Pensum muss jeder Handgriff sitzen. Harald Lüsebrink hat alles im Blick, ist überall gleichzeitig – und dabei strahlt er eine Ruhe aus, die man auf einem trubeligen Wochenmarkt nicht unbedingt erwartet. „Auch das ist kein Wunder“, muss er jetzt schmunzeln: Schließlich gehört er hier seit 29 Jahren zum festen Inventar. „Da weiß man nun wirklich, wie es läuft.“

Von Rotterdam über Norddeich bis nach Meinerzhagen: Wochenmarkt-Liebhaber mit Haut und Haar

Dabei hatte Harald Lüsebrink zunächst eine ganz andere Laufbahn eingeschlagen: Mit 14 stand eine Bäckerlehre, anschließend eine Ausbildung zum Kunststoff-Formgeber an. Bis zum Abteilungsleiter einer Kunststoff-Firma führte ihn seine Laufbahn. An seinen Job als Marktleiter kam er schließlich über einen Kollegen von der Feuerwehr, bei der er als Brandmeister aktiv war: „Eines Tages wurde ich auf die freie Stelle hingewiesen und habe zugegriffen. Dabei wollte ich die Aufgaben nur übergangsweise übernehmen – dass das nicht geklappt hat, kann man wohl heute mit Fug und Recht sagen“, lacht er. Auch in seiner Freizeit kommt er nicht aus seiner Haut heraus: Auf seinen vielen Touren mit seiner Lebensgefährtin, gerne auch auf dem Rad, schaut er immer mal bei der „Konkurrenz“ vorbei. „Die Märkte im Norden zum Beispiel sind einfach schön, gut bestückt und ganz ins Stadtleben integriert“, schwärmt er. „Aber vor allem den Markt in Rotterdam ist eine Reise wert. Was es dort zu sehen gibt, die Atmosphäre, einfach alles ist einmalig.“ Trotzdem: Auf „seinen“ Markt in Meinerzhagen lässt er nichts kommen: „Der kann sich wirklich sehen lassen. Tolle Ware, tolle Menschen, ein tolles Einkaufs- und Genusserlebnis. Anders kann man es nicht sagen.“ Und so ist Harald Lüsebrink über die Jahre hinweg selbst zu einer Institution in Meinerzhagen geworden, wenn er auf dem Markt seine Runden dreht und für alle ein offenes Ohr hat.

Frische Waren vornehmlich aus der Region: Beste Qualität und große Auswahl sind Pflicht

Dass das so ist, merkt man auch dem Marktaufbau an, der auf dem Otto-Fuchs-Platz das gesamte Frische-Sortiment von Obst über Gemüse, Blumen und Käse, Fleisch und Wurst bis hin zu Brot, Gewürzen und anderen Köstlichkeiten abdeckt. Daneben findet man nur jeweils einen Stand mit Technikbedarf bzw. Kleidung sowie drei Imbissstände. Das hat natürlich seinen Grund, und den erklärt uns Harald Lüsebrink, der auch für die Auswahl der Händler verantwortlich zeichnet: „Wir wollen den klassischen Wochenmarkt-Charakter wahren. Und der fokussiert sich nun einmal auf Lebensmittel, vorzugsweise aus der Region, von uns bekannten Höfen und Anbietern.“ Wichtigstes Kriterium sei dabei die Qualität, denn „die kann man hier sehen, riechen und vor allem schmecken. Nur wenn die stimmt, kommen die Kunden auch wieder.“ Der Einkauf auf dem Markt ist nicht billig, das ist auch Harald Lüsebrink klar. Doch hier steigt mit den höheren Preisen eben auch der Genuss. Die entsprechenden Kontrollen vor Ort sind engmaschig: Oft zweimal im Monat macht der Kreisveterinär seine Runde und sieht nach dem Rechten.

Neue Kundenklientel setzt auf bewussten Einkauf und gesunden Genuss

Und wie hat sich der Markt in den fast drei Jahrzehnten seiner Arbeit verändert? „Als ich anfing, gab es mehr Händler aus der Region. Vor einigen Jahren hatten wir noch 30 Stände“, resümiert der 61jährige, der fast sein ganzes Leben in Hunswinkel verbracht hat. „Heute sind es 22 feste Anbieter, dazu kommen noch einige Händler, die einen freigebliebenen Platz übernehmen.“ Den Grund für diesen Rückgang sieht Harald Lüsebrink vor allem im gesellschaftlichen Wandel: Durch die zunehmende Berufstätigkeit in den Familien ist für viele der zentrale Einkauf im Allround-Discounter praktischer.

Sorgen um die Zukunft des Wochenmarktes macht er sich aber nicht, denn: Der Einkauf auf dem Wochenmarkt wird für viele – auch die jüngere Generation – wieder zum Erlebnis. Außerdem trifft der Wochenmarkt, der seit Verleihung der Stadtrechte in Meinerzhagen im Jahr 1765 abgehalten wird, den Puls der Zeit: „Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit und gesunde Ernährung sind aktueller denn je. Gerade beim Essen fragen sich die Leute zunehmend, was auf den Tisch kommt und woher es stammt. Warum also den Apfel aus Neuseeland kaufen, wenn es höherwertige Ware aus der Umgebung auf dem Wochenmarkt gibt – und noch dazu unverpackt?“ Und so wandelt sich auch die Klientel: Zu denen, die schon immer gerne kamen, stoßen nun auch vermehrt junge Familien und Menschen hinzu, die bewusst auf ihre Ernährung achten und bereit sind, für Qualität in allen Belangen ein paar Cent mehr zu berappen. Die zahlen sich dann im Geschmack mehr als aus – und auch der Umwelt und den regionalen Anbietern und damit der heimischen Landwirtschaft ist damit gedient. Nebenbei findet sich immer Zeit für Begegnungen und eine nette Unterhaltung. Und so ist es denn doch der klassische Wochenmarkt-Charakter, der seine Besucher seit 250 Jahren anzieht und den Einkauf zum Erlebnis macht.