Meinerzhagen persönlich

116 Quadratkilometer Fläche, 450 Mülleimer, 28 Spielplätze, drei Talsperren samt Uferbereich und insgesamt rund 220 Kilometer Straßen und Wege: Das Arbeitsgebiet von Axel Metzler könnte kaum größer sein. Seine Aufgabe sind die Straßenreinigung und Müllbeseitigung in Meinerzhagen – im gesamten Stadtgebiet, an fünf Tagen die Woche. Und das seit inzwischen 32 Jahren. Als einer von 26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Baubetriebshofes kennt Axel Metzler die Stadt wie seine Westentasche, und ihn kennen wiederum alle: Auf seiner Tour durch die Innenstadt grüßt er jeden zweiten Passanten, der unseren Weg kreuzt. Einen Tag lang durften ihn begleiten. Meinerzhagen und ich: Die Möglichmacher.

Bunter Hund ganz in orange: Die Straßen Meinerzhagens sind Axel Metzlers Arbeitsplatz

Es sind nicht nur diese Zahlen, die für sich sprechen. Auch Axel Metzler selbst legt, ausgerüstet mit Akkubläser, Besen und Schaufel, ordentliche Strecken zurück. Auf rund 10 Kilometer bringt er es Tag für Tag mit seinem knallorangenen Müllwagen mit dem grünen „M“, „und seit ich meine Smart Watch habe, werde ich jeden Nachmittag bejubelt“, lacht er: „Die 20.000 Schritt-Marke knacke ich eigentlich immer.“

Überhaupt: Gute Laune ist ebenso sein Markenzeichen wie sein augenfälliger Neon-Anzug. „Das ist auch kein Wunder“, gibt der 58jährige ohne Umschweife zu, „denn ich liebe meine Arbeit: Ich weiß, was wo zu tun ist, ich habe meinen eigenen Rhythmus entwickelt und ich bin gerne draußen unterwegs.“ Auf seiner täglichen Tour kombiniert er die Routine der Erfahrung aus vielen Jahren mit Bauchgefühl: „Die Routen habe ich alle im Kopf. Die Innenstadt laufe ich jeden Tag ab, die anderen Gebiete und Bereiche nach Bedarf, aber mindestens einmal pro Woche.“ Alles Weitere sei letztlich gesunder Menschenverstand: „In den Sommermonaten beispielsweise kontrolliere ich die Spielplätze mindestens dreimal wöchentlich. Auch die Talsperren kommen dann natürlich öfter zum Zug als im Winter.“

Mit Stoffschwein, Akkubläser und Kehrzeug auf Achse

Es ist ein strammes Pensum, das Axel Metzler jeden Tag ab 7.00 Uhr in der Frühe absolviert: Während andere noch am ersten Kaffee nippen, ist das Energiebündel bereits hellwach und auf der Straße anzutreffen – und immer für einen kurzen Plausch, ein Winken oder einen Gruß von Straßenseite zu Straßenseite zu haben. „Das gehört ganz einfach dazu“, stellt der Meinerzhagener klar, „Ich bin hier geboren und kenne nach all den Jahren hier auf den Straßen praktisch jeden. Woanders zu leben? Käme nicht in die Tüte!“ Obwohl Axel Metzler – nur begleitet von Plüschgorilla und Schwein als Glücksbringer im Wagen – allein auf Tour und damit sein ganz eigener Herr ist, kommt Einsamkeit bestimmt nicht auf. „Wenn man freundlich zueinander ist“, so sein Credo, „dann ist das Leben viel entspannter.“

Und was steht im Privatleben an erster Stelle? Da tauscht er das auffällige Orange seiner Arbeitskluft gegen die gelb-schwarze Tracht und feuert seinen BVB an – angesichts des einen oder anderen Bayern-Fans im Kollegenkreis war die letzte Saison ganz schön aufreibend für ihn. Doch selbst die knapp verlorene Meisterschaft kann Axel Metzler nicht wirklich aus der Fassung bringen. Wenn er wirklich einen Tapetenwechsel braucht, dann besucht er gemeinsam mit seiner Frau die Zoos in NRW – „außer den in Gelsenkirchen!“

Mit guter Laune und Energie gegen den Müll

Nur bei einem Thema wird sein Gesicht ernst. Dass die Müllberge immer weiter anwachsen, das treibt das Meinerzhagener Original um. Pizzakartons, Mitnehm-Kaffeebecher und Unmengen von Umverpackungen bei allen möglichen Produkten seien um ein Vielfaches angestiegen, die Mülleimer werden immer voller, die Entsorgung aufwändiger. Wenn der Müll dann noch, wie er immer wieder beobachten muss, einfach achtlos fallengelassen wird, dann bleibt die sonst so heitere Gelassenheit endgültig auf der Strecke. „Es gibt so viele Probleme mit den Unmengen von Abfall“, konstatiert der Stadtreiniger. „Ich hoffe sehr, dass allen klar wird, dass es so nicht weitergehen kann.“ Sammelaktionen, bei denen alle – Kinder, Jugendliche und Erwachsene – mit anpacken, könnten vielleicht helfen. „Damit alle mal sehen, wie viel Müll tatsächlich jeden Tag hier zu entsorgen ist und wo er überall zu finden ist.“ Denn Aufmerksamkeit, darauf baut Axel Metzler, schafft Verständnis – und vielleicht folgt dann auch das eigene Umdenken. „Alles in allem aber habe ich das große Los mit meiner Arbeit gezogen“, fasst er zusammen, und sein ansteckendes Lachen bricht sich wieder Bahn. Schlechte Laune – die gibt es bei Axel Metzler wirklich nicht. Und so sammelt er nicht nur den Müll von Meinerzhagens Straßen und Wegen auf. Wo immer man ihn antrifft, bringt er ein gutes Gefühl mit. Und das auf 116 Quadratkilometern Stadtfläche.