Meinerzhagen persönlich

Meinerzhagen und ich

Valbert: Erst seit 1969 ist die Gemeinde Teil der Stadt Meinerzhagen. Ihre Wurzeln reichen weit zurück, die erste Kirche im Ort wurde im 11. Jahrhundert erbaut. Seinen Charakter hat Valbert bis heute bewahrt; mitten im Ortskern ist die Ebbeschule zu finden. 172 Kinder besuchen dort die Klassen 1 bis 4; die alte Schulglocke von 1930 hängt noch im Eingangsbereich an der Wand und erinnert an die lange Geschichte auch der Schule selbst. Direkt gegenüber ist das Büro von Claudia Hahn. Auch sie kennt fast jeder in Valbert, denn seit knapp 20 Jahren ist sie die Schulsekretärin an der Ebbeschule. Meinerzhagen und ich: Die Möglichmacher.

Daten, Heftpflaster und ein freundliches Wort für jeden: Claudia Hahn ist Schulsekretärin an der Ebbeschule

Es ist ein typischer Mittwochmorgen in der Ebbeschule. Gerade hat es zur großen Pause geläutet. Die Gänge füllen sich mit Kindern, die nach draußen ins Freie stürmen und ihre 20 Minuten Toben, Spielen oder schon ganz erwachsener Gesprächsrunden auskosten wollen. Wie ein Fels in der Brandung in der Mitte des Trubels steht Claudia Hahn. Sie winkt einem der großen Mädels aus der Vierten zu, tauscht ein paar klärende Worte mit einer Lehrerin und hilft einem Erstklässler, der mit seinem Schal kämpft. Auch im Angesicht des täglichen Rummels hat das ehrwürdige Gebäude seine Atmosphäre als „Dorfschule“ ein Stück weit erhalten. Dafür sorgt, neben dem engagierten Kollegium, auch Claudia Hahn mit ihrer Erfahrung, ihrer Gelassenheit und ganz viel Humor.

Ihr Büro, mitten im Epizentrum des Pausen- und Tagesgeschehens am Eingangsbereich der Schule, erinnert an ein Aquarium. Die verglasten Wände bieten einen umfassenden Überblick über das Geschehen. Den braucht Claudia Hahn auch, stellen wir bei unserem Besuch fest, denn ihre Aufgaben als Schulsekretärin umfassen mehr als „nur“ PC-Arbeit: „Natürlich macht die Büroarbeit einen großen Teil aus“, erklärt uns die 60jährige. So laufen in der Dateneingabe und -verwaltung alle Fäden bei ihr zusammen. Auch die Verwaltung der Finanzen – unter anderem für Neuanschaffungen, Klassen- und Schulfahrten –  liegt in ihren Händen. Es kommt aber noch mehr dazu: Wenn beispielsweise eine Lehrerin krank wird, telefoniert Claudia Hahn die Eltern ab. Und sie kümmert sich an vielen Stellen um die Kinder selbst: „Natürlich lernt man in den vier Jahren Grundschulzeit die meisten Kinder kennen“, erklärt sie uns in einer ruhigen Minute. „Es macht einfach ganz viel Freude, sie beim Großwerden zu begleiten. Es sind auch immer ein paar Spezialisten darunter, die ihren Turnbeutel vergessen oder den Bus verpassen und die dann bei mir landen.“

Bei Claudia Hahn gibt es immer Hilfe, ein offenes Ohr und ein trockenes Plätzchen, wenn die Kinder zum Beispiel auf den nächsten Bus warten müssen: „Die hole ich dann auch schon mal zu mir rein, damit sie im Warmen warten und zu Hause Bescheid sagen können, dass es später wird“, lacht sie. Fast nebenbei ist Claudia Hahn dadurch bei aktuellen Modehypes und Gesprächsthemen der Sechs- bis Zehnjährigen immer auf dem Laufenden. Vom beleuchteten Turnschuh bis hin zur Badesandale als neuestem Hip-Accessoire: Sie bringt nicht mehr viel ins Staunen. Und so sind es auch die täglichen Begegnungen mit den Kindern, die Zusammenarbeit mit den sehr engagierten Eltern, dem Förderverein und natürlich Schulleitung, Kollegium und Stadt, die Claudia Hahn einen vielfältigen und schönen Berufsalltag bescheren.

Konstanten und Veränderungen: vom Revier ins „Aquarium“

Auf diese Kombination aus Kontinuität und Neuem setzt sie auch im Privatleben. Hier spielt sich alles in Hardenberg ab – dabei ist Claudia Hahn eigentlich ein „Mädchen aus dem Kohlenpott“: Erst mit sechs Jahren verschlug es sie aus Duisburg nach Meinerzhagen. Ihr Vater, ein Bergmann, wollte angesichts des Strukturwandels im Ruhrgebiet hier eine neue berufliche Chance nutzen. Als wäre es ein Vorzeichen auf ihr späteres Berufsleben, lernte Claudia Hahn als Kind fast alle Schulformen kennen, die Meinerzhagen zu bieten hat: Beginnend mit der Dorfschule in Pütthoff – „damals gab es dort noch acht Klassen, die in einem gemeinsamen Raum von einem Lehrer unterrichtet wurden“, folgten drei weitere Schuljahre in Hunswinkel, die mittlere Reife an der Hauptschule und schließlich das Abitur am Evangelischen Gymnasium. Vor ihrer zweiten Schullaufbahn an der Ebbeschule standen allerdings noch einige Jahre bei der Sparkasse. Um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können, wechselte sie aber vor 18 Jahren in den Schuldienst und landete in ihrem kleinen Aquarium in der Ebbeschule. Seitdem gehört sie dort im besten Sinne zum Inventar – das wissen auch die Kinder, die „ihre“ Schulsekretärin so gerne besuchen und die eine geliebte Anlaufstelle bei allen kleinen und großen Sorgen ist.

Daheim im Zentrum der Welt: Dorfleben in Hardenberg

Seit ihrer Hochzeit lebt die Wahl-Südwestfälin in Hardenberg. Dafür ist ursprünglich ihr Mann verantwortlich, inzwischen würde sie aber um keinen Preis der Welt wegziehen: „Einmal Hardenberg, immer Hardenberg“, so die klare Ansage auf die Frage nach ihrem Leben abseits der Schulzeiten. „Meinerzhagen ist ein schöner Vorort, aber der Nabel der Welt ist eindeutig hier“, bringt sie ihr Credo auf den Punkt und man sieht ihr an, wie glücklich sie dort ist. 169 Menschen leben in Hardenberg, und, das ist für Claudia Hahn das Schöne, jeder kennt jeden: „Hier hält man zusammen. Wir sind eine echte Dorfgemeinschaft, wie man sie von früher noch kennt.“ Ein Stammtisch, der in den 60 Jahren seines Bestehens inzwischen zum Seniorenstammtisch umbenannt ist, verschiedene Pendants für alle Generationen, regelmäßige Spieleabende und vieles mehr bestimmen das Leben in dem kleinen Ortsteil. Und wenn jemand Hilfe braucht, ist diese oft nur wenige Haustüren weiter zu finden. „Wir helfen uns aus, wir teilen unsere Sorgen und wir feiern auch zusammen. An Silvester braucht zum Beispiel hier niemand allein zu sein.“ Das sei wirklich Gold wert, resümiert Claudia Hahn. Umso schöner ist es für die Familie, dass zwei ihrer drei Kinder sich ihr eigenes Zuhause ebenfalls in Hardenberg aufgebaut haben und inzwischen zwei Enkelkinder das Familienleben hier aufmischen. Und so haben Job und Privatleben eines gemein: Hier zählen das Miteinander, das Persönliche und die Freude am Alltag. Mittendrin: Claudia Hahn. Die muss sich nun aber verabschieden – die große Pause geht zu Ende. Und schon nimmt sie der Trubel auf den Gängen wieder mit zu neuen Herausforderungen.