Bildercollage aus Meinerzhagen

Inti-Huatana / Rastplatz der Sonne

"Ja, so wollte ich es. Und ich wollte in dieser rechteckigen Form darüber...die Intensität ihrer Strahlen einfangen. Dadurch nämlich, dass dieses abgeschirmte Sonnenlicht immer noch ein wenig durch die Fläche schimmert, und der Dunst über der verschleierten Sonne leicht nach oben zieht – ein Zeichen ihrer Wärme gewissermaßen -, entsteht... sozusagen ein Rastplatz der Sonne".

Ölgemälde "Rastplatz der Sonne"

Dies sagt der peruanische Künstler Antonio Maro zu seinem Kunstwerk, das er auf der heb-, bzw. senkbaren Bühnentrennwand des Stadthallensaales gestaltet hat. Es ist eine ungewöhnliche Kunstschöpfung, 18 m breit und 6 m hoch in Öl auf dem eisernen Vorhang entstanden.

Der 1928 in Peru geborene Künstler kam 1950 im Zuge seines medizinischen Studiums nach Deutschland, wo er nebenbei unter anderem auch bei Willi Baumeister studierte, bei dem er seinen Stil entwickelte, dessen Technik ihn in monumentalen Bildräumen Erfahrung sammeln ließ. Der Auftrag der Stadt Meinerzhagen stellte ihn vor eine noch größere Aufgabe, als er sie gewohnt war. Bei der Entstehung des Bildes mußte der Künstler, der von seinem Sohn unterstützt wurde, einige Krisen überwinden. Das größte Problem für Antonio Maro wurde die Diskrepanz der herrischen, das Land verbrennenden Sonne in Peru und der wärmenden, lebensspendenden Sonne in unseren Kreisen.

Sollte jemand keinen Zugang zu dem Werk finden, hier ein Zitat Maro´s, das vielleicht als Schlüssel dienen kann: "Wichtig ist es nicht! Farben und Formen gehen sowieso ihre eigenen Wege, weil sie Schöpfungen sind, also lebendig, wie der Prozess selbst lebendig war, der sie hervor gebracht hat."

Interpretationshilfe von Hermann Josef Lobner:

Der in Peru von einer indianischen Mutter geborene Künstler hat die inkaische Mythologie als Kind in sich aufgenommen. Der Titel des Bildes zeugt davon, denn ein "Inti huatana" war im inkaischen Zeremonialraum der Platz, an dem der Sonnenlauf und -stand beobachtet wurde.

Die Sonne war die höchste Gottheit und der Herrscher, der Inka, war die Personifizierung dieser Gottheit. Er war der "Sohn der Sonne". Starb der Inka, so wurde seine mumifizierte Leiche in der Hockstellung im Sonnentempel der Hauptstadt Cusco in eine Nische gestellt und mit Goldplatten und kostbarem Schmuck bekleidet,

Der Künstler gibt -abgesehen vom Bildtitel- keine Interpretationshilfen, aber: Diese Gedanken vorangestellt, lassen das Bild mit seinen großen, plastisch wirkenden Blöcken als die Abstraktion einer inkaische Stadtlandschaft erscheinen, die von dem goldenen und schmuckbehangenen Bildnis des Inka beherrscht wird. Hier hat die (personifizierte) Sonne ihre Ruhe gefunden.

Das Bild zeigt also das Zentrum einer uns weitgehend fremden Kultur. Einmal mehr kommt hier der das gesamte künstlerische Schaffen Maros beherrschende Gedanke, zwischen den beiden Kulturen, die seinen Heimatkontinent prägen, zu vermitteln, zum Ausdruck.

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